„Unter den Linden“
Theater des Literaturkurses

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Am Anfang steht eine Triggerwarnung: Die Schülerin auf der Bühne warnt vor dem, was kommt: Um Alkohol soll es gehen, um sexualisierte Gewalt – und um den Tod. Keine sommerlich-leichte Komödie – eher starker Tobak also, der das Publikum am Dienstag Abend im Forum des Gymnasiums erwartet.

Dabei sind es Themen, die die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses der Q1, der das Stück mit dem vielsagenden Titel „Unter den Linden“ geschrieben, inszeniert und produziert hat, selbst beschäftigen. Ihr Zugang zur Welt, ihre Themen sind Grundlage dieses außergewöhnlichen Abends – so steht es im Programm.

Die Story ist rasch erzählt: Jule, die bis vor kurzem eine Beziehung mit Jakob hatte, versucht, mit der offensichtlich nicht ganz leichten Trennung fertig zu werden und veranstaltet deshalb eine große Party, zu der sie ihre zahlreichen Freunde einlädt. Die Gäste trudeln ein, der Abend lässt sich richtig gut an, Alkohol fließt reichlich und natürlich darf auch die passende Musik nicht fehlen. Erste Störwellen tauchen auf, als klar wird, dass sich einige der Gäste nicht wirklich amüsieren, weil deren coole Freunde fehlen und als ein ruhebedürftiger Nachbar das baldige Ende der Feierlichkeiten anmahnt. Die Stimmung kippt endgültig, als die coolen Jungs schließlich doch auftauchen – eine Gruppe schon angetrunkener junger Männer, zu denen auch Jakob, der Ex von Jule gehört. Der ist sich sicher, dass er noch einen Anspruch auf Jule hat, den er schon bald lautstark von ihr einfordert. Nach diesem wenig erfreulichen Disput verschwindet Jule von der Party – vornehmlich, um ihre schon reichlich beschwipste kleine Schwester zu einer Tante zu bringen. Doch sie bleibt verschwunden. Und auch Jakob hat die Party längst verlassen. Als schließlich die vom genervten Nachbarn gerufene Polizei auf den Plan tritt, um die Ruhestörung zu beenden, wird schnell klar, dass ihre Aufgabe eine ganz andere ist: Die Suche nach einer vermissten Person. Dass die nicht gut ausgehen wird, lässt die Triggerwarnung am Anfang vermuten. Schließlich gelingt es, den verstörten Jakob aufzuspüren, der in seinem unbeherrschten Versuch, Jule zu bedrängen und zurückzugewinnen, letztlich deren Tod verursacht hat.
Nach der schulinternen Premiere am Morgen wird das Stück am Abend der breiten Öffentlichkeit im vollbesetzten Forum präsentiert. Dabei erlebt das Publikum nicht nur ein Geschehen auf der Bühne, der ganze Saal wird bespielt. Da ziehen grölende Jugendliche von hinten heran, wo sie den Besitzer eines Motorrades düpieren, bevor sie die Party entern, da finden Zeugenbefragungen mitten im Zuschauerraum statt und mehrmals diskutieren kleinere Gruppen lautstark an Stehtischen abseits des Partyrummels auf der Bühne. Und während Einzelne aus der Handlung heraustreten und das Erlebte reflektieren, friert das wuselige Partytreiben ein.
Es ist also keine ganz simpel gestrickte Inszenierung, die die Beteiligten hier in Eigenregie und unter Begleitung von Literaturkurs-Lehrerin Katharina Goubeaud erarbeitet haben. Dazu gehört auch, das Jule gleich in doppelter Besetzung agiert – einmal als junge Frau mitten im Leben und einmal als blutverschmierte Tote, die das Erlebte aus der Distanz reflektiert.

Am Ende ist es die Gesamtheit aus Thema, Inszenierung und schauspielerischer Leistung, die das Publikum von den Stühlen reißt – es gibt standing ovations.

Auch Schulleiter Eckhard Göbel, der sich bei allen Beteiligten für ihre Arbeit bedankt, zeigt sich beeindruckt. Einen so gelungenen Abend vorzubereiten und auf die Bühne zu bringen, so betont er, sei eine wirklich tolle Leistung. Dabei streicht er heraus, wie wichtig es gerade heute sei, dass die Themen und Anliegen der Schülerinnen und Schüler, also das, was sie in ihrem Leben beschäftige, direkten Eingang in schulisches Leben und Arbeiten finden könne. Dass dies auf so mitreißende Weise geschehe, passe sehr gut zum Motto der Schule: „Leben. Lernen“.

Die zahlreichen angeregten Gespräche und Diskussionen, die sich im Anschluss an das Stück im Foyer entwickeln, lassen vermuten, dass er mit dieser Einschätzung eines gelungenen Theaterabends keineswegs alleine steht.